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Komitee Grüne Lunge Zug Baar
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Leserbrief von Martin Stuber vom 29.9.2009

Intelligente Verkehrspolitik

Weil bei näherer Betrachtung das Tangentenprojekt viele Pferdefüsse aufweist, haben sich die Befürworter zunehmend auf eine neue Argumentationsschiene verlegt: Zug sei stark gewachsen, jetzt müsse die Strasseninfrastruktur ausgebaut werden, und dazu gehöre auch die Tangente. Aktuelles Beispiel sind die «Zuger Ansichten» von Kantonsrat Heini Schmid vom letzten Samstag. Dem Titel seiner Kolumne – «Eine intelligente Verkehrsplanung tut not» – kann ich voll und ganz zustimmen. Die Frage am Abstimmungssonntag vom 29. November ist aber nicht, ob generell neue Strassen Bestandteil einer intelligenten Verkehrsplanung sind, sondern ob die 200 Millionen eine intelligente Investition sind.

Ausgehend von drei zentralen Argumenten in Schmids Kolumn, kann gezeigt werden, dass dies nicht der Fall ist. Er schreibt, die Autobahn durch den Kanton Zug sei für den Fernverkehr gebaut worden. Tatsache ist, dass die A 4 und die A 4a heute nicht nur die grosse Umfahrung des Siedlungsgebietes in der Lorzenebene ist, sondern ganz massgebend auch dem regionalen und lokalen Verkehr dient. Bestes Beispiel ist der Ausbau der Autobahnausfahrt Baar und des dazugehörenden Verkehrsknotens im Baarer Neufeld im Rahmen der neu eröffneten Nordzufahrt. Was passiert nun aber mit diesem Knoten, wenn die Tangente gebaut wird? Gemäss den offiziellen Zahlen der Baudirektion erhält dieser heute schon überlastete Knoten mit der Tangente 5600 Fahrzeuge pro Tag mehr. Von Staureduktion dank Tangente keine Spur, im Gegenteil! Gegenüber dem Verkehrsaufkommen im Jahre 2005 sind es übrigens rund 8500 Fahrzeuge pro Tag mehr.

Ein zweiter zentraler Gedankengang von Schmid: Ohne Tangente sei in Baar der Verkehrskollaps vorprogrammiert. Tatsache ist, dass die Marktgasse heute schon über 22 000 Fahrzeuge pro Tag hat. Gemäss Modellrechnung werden es ohne Tangente im Jahr 2020 rund 23 000 sein. Also keine spürbare Zunahme. Es ist wahr – die Tangente würde die Marktgasse entlasten. Aber leider nicht matchentscheidend – es werden immer noch deutlich über 15 000 Fahrzeuge pro Tag sein, auf der anschliessenden Neugasse werden es dann schon wieder rund 18 000 Fahrzeuge sein. Also: Auch mit Tangente wird die Marktgasse ihren Charakter als stark belastete Durchgangsarterie nicht verlieren.

Spürbar nur auf der Ägeristrasse
Eine dritte Überlegung von Schmid: Die Tangente brauche es, um in Baar die Quartiere zu entlasten und zu beruhigen. Was es zu dieser Entlastung und Beruhigung braucht, ist aber nicht eine neue Strasse, die das Dorf Inwil mit täglich 24 000 vorbeifahrenden Fahrzeugen beglückt, sondern viel politischer Wille, genau so, wie es ein Anwohner der Mühlegasse im Video des Komitees Grüne Lunge (www.gruene-lunge.ch) ausführt. Weshalb? Der Verkehr in den Wohnquartieren ist weitgehend hausgemacht. Und bekanntlich ist die Entlastung durch die Tangente in Baar relativ bescheiden. Wirklich spürbar ist sie nur auf der Ägeristrasse und, wie oben ausgeführt, schon deutlich weniger auf der Marktgasse. Und zu beachten ist: Die Rigistrasse wird mit der Tangente sogar etwas mehr Verkehr haben.

In den USA ist die Siedlungsstruktur der meisten Städte konsequent und ausschliesslich auf die Autos ausgerichtet. Und nun sitzen sie in der Falle. Im Zeitalter von Klimaerwärmung und Peak Oil macht eine intelligente Verkehrsplanung aus der vermeintlichen Not eine Tugend und sorgt dafür, dass ein bedeutender Teil des Verkehrs mit einem energieeffizienten, topmodernen und systematisch ausgebauten öffentlichen Nahverkehrssystem abgewickelt werden kann.

Martin Stuber, Kantonsrat, Zug

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